Venus-Transit 2004

- ein Kurzbericht -



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Der Venus-Transit am 08.06.2004 war eines der seltensten Ereignisse in der Astronomie und zudem noch wie eine Mond- oder Sonnenfinsternis von jedermann zu beobachten. Zumindest von jedermann in Europa und Afrika, sowie Teilen des nordamerikanischen und des asiatischen Raumes.
Venus-Transits treten regelmäßig auf.
Die Regel der zeitlichen Abstände zwischen Transits in Jahren lautet zur Zeit: 8, 105.5, 8, 121.5, 8, 105.5, 8, 121.5, 8,...
Der letzte Transit fand vor 121,5 Jahren statt; der nächste demnach in 8 Jahren, im Jahr 2012. Diese Regel gilt von der Mitte des 2. Jahrtausends bis zum Ende des 3. Jahrtausends. Eine griffige Erklärung hierzu liefert Dr. Roland Brodbeck Das Ereignis ist selten, aber nicht spektakulär. Denoch hat es ein der Mondfinsternis entsprechendes Echo in der Öffentlichkeit gefunden. Als in diesem Fall einmal glücklicher Mitteleuropäer konnte man diesen Event, am 08.06.2004 'störungsfrei' vom ersten bis zum vierten Kontakt beobachten, aufzeichnen und genießen.
Auf dieser Seite finden Sie einige Links zu Amateurastronomen und professionellen Beobachtern, die Photos und Informationen bereitstellen.
Die Beschreibung zu den Voraussetzungen für einen Transit finden Sie z.B. auf den Seiten der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Mainz e.V. (AAG)

Location

'As a real estate, three things will matter most for viewing the 2004 transit: location, location and location.'
[Michael E. Bakich, ASTRONOMY 06/2004]
Während den ersten Stunden nach Mitternacht des 11. August 1999 hat so mancher noch nach einem wolken- und regenfreien Flecken in Deutschland und den angrenzenden Ländern gesucht, um das letzte astronomische Großereignis des vergangenen Jahrhunderts beobachten zu können. Damals war Mobilität und flexibles Equipement die einzige Chance überhaupt etwas sehen zu können.
Dem Venus-Transit konnte man entspannter entgegensehen. Das Ereignis fiel in eine hochsommerliche Schönwetterperiode und war im Rhein-Maingebiet und den meisten Teilen Deutschlands wolkenfrei von dem ersten bis zum vierten Kontakt zu beobachten. Entsprechend gut sind die Ergebnisse.

Venus-sun-airplane Einen der besten Schnappschüsse liefert Peter Kirchgessner von der AAG mit dem Flugzeug vor der Sonne.


Vorbereitungen

Die Vorbereitungen für den Venus-Transit habe ich ebenso wie für andere astronomische Großereignisse anhand einer Liste durchgeführt.
Wesentlich war dabei die Information über Zeitpunkt und Koordinaten des ersten Kontakts sowie Dauer des gesamten Schauspiels. In die Vorbereitungen flossen auch die Erfahrungen meiner letzten Sonnenbeobachtung im August 1999 ein. Die Wahl der Beobachtungspunkte war diesmal recht einfach. Den ersten und zweiten Kontakt wollte ich zusammen mit meinem Sohn zu Hause beobachten. Hierzu hatte ich Sonnenfinsternisbrillen bereitgelegt. Ein Sonnenfilter für meinen Reflektor (3'') oder für den Feldstecher würde ich ggf. mit den Resten der Baaderfolie von 1999 kurzfristig bauen. Den weiteren Verlauf wollte ich von 12:00 Uhr bis zum dritten eventuell zum vierten Kontakt von der Sternwarte in Mainz aus verfolgen. Dort hatte die AAG neben dem großen 150mm/3000mm-Refraktor auch noch einen kleineren Reflektor und einen montierten 15x80-Feldstecher aufgebaut. Begleitet wurden die Beobachtungen von Vorträgen und den einweisenden Worten der Männer und Frauen an den Geräten.
Kurz vor Abschluss meiner Vorbereitungen entdeckte ich noch einige Internetlinks, die passable Livebilder von dem Ereignis liefern wollten (s.u.).


Der Tag X

Der Tag begann wie geplant mit der Beobachtung des ersten Kontakts mittels der Sonnenfinsternisbrille. Der Bau des Filters fiel aus, zumal ich meiner Frau, meinem Sohn und meiner Tochter das Geschehen mittels der Finsternisbrille erläutern wollte. Nach der Sichtung des zweiten Kontaktes machte ich mich mit meinem Sohn, bewaffnet mit einer Finsternisbrille, auf den Weg zur Schule. Dort waren die Lehrer erfreulicherweise auf das Ereignis vorbereitet. Die Klasse verfügte mit meiner Brille über zwei Finsternisbrillen, die im Wechsel an Lehrer und Schüler weitergegeben wurden. Die Lehrer hatten den Unterricht flexibel nach draußen gelegt um einen Teil des Transits mit den Klassen zu verfolgen. Für die Kinder der Grundschule ein einmaliges Erlebnis - mein Kompliment und mein Dank für eine derartig spontane Reaktion.Mein Sohn hat mir am abends ausführlich und begeistert berichtet.
Ab 11:45 Uhr konnte ich meine Beobachtungen bis zum dritten Kontakt an der Sternwarte der AAG in Mainz fortsetzen. Dort wurde zwar zeitgleich etlichen Schulklassen ebenfalls die Möglichkeit der Beobachtung gegeben, es standen jedoch genügend Möglichkeiten zur Verfügung, den Transit zu verfolgen. Unter anderem wurden auch hier wieder Finsternisbrillen verkauft.
Durch die Auswahl an Geräten (immerhin drei verschiedene) und die Gespräche mit den Betreuern wurde das Ereignis abgerundet.


Resumé

'Beim nächsten Mal werde ich ...' ist einer von den Sätzen die im Fall des Venus-Transits nicht unbedingt zum Abschluss eines 'Kurzberichtes' stehen sollten. Deshalb verzichte ich auch darauf ;-)
Mir hat dieser Transit natürlich etwas Neues gezeigt. Darüber hinaus verfolge ich die Auswertung der professionellen Beobachter mit besonderem Interesse. Auch meine Familie hat sich einmal mehr mit dem Thema Astronomie beschäftigt.
Für mich war der Transit nicht nur ein evtl. einmaliges Erlebnis. Es war auch der Auslöser für weitere, intensivere Beobachtungen des Fixsternes, der nur allzu nah vor uns steht und vielleicht gerade deswegen so oft übersehen wird.


Der nächste Venustransit, welcher in Deutschland sichtbar sein wird, kann am 06.08.2012 beobachtet werden. Die Vorbereitungen und die Beobachtungen - vielleicht diesmal mit einem meiner größeren Teleskope - werde ich hier auf meiner Homepage ablegen.

Transit-Links

Venus-Transit auf Astro!nfo
Live-Cam der Uni Jena
ESO Beobachtungen


Zuletzt geändert am 13.08.2011